Überforderung begegnet uns in den unterschiedlichsten Formen im Alltag. Klein oder groß, manchmal leicht zu übergehen und manchmal stellt sie uns vor eine große Blockade und wird mit jedem Versuch, sie zu lösen, nur schlimmer.
Auf einmal funktioniert gar nichts mehr und dir ist nicht mehr klar, was jetzt der nächste logische Schritt ist. Du kannst gefühlt keinen klaren Gedanken mehr fassen und bist wie eingefroren.
Und das Schlimmste daran ist meistens nicht die Menge an Aufgaben, die wir zu erledigen haben, oder die Reize, die auf uns einströmen. Sondern das Gefühl, dass sie tief im Inneren auslöst. Der innere Monolog, der dir sagt, dass du einfach nicht genug tust, einfach nicht belastbar genug bist. Zu faul und zu schwach fürs Leben?
Aber stimmt das überhaupt? Müssen wir es einfach nur härter versuchen, strenger mit uns sein? Weil: “Ich sollte das doch schaffen, andere schaffen das doch auch!” “XY hat es viel schwerer und ist trotzdem nie überfordert”.
Und wie lässt sich diese Überforderung vermeiden? Oder geht das überhaupt?
Was in deinem Gehirn passiert, wenn alles zu viel wird
Dein Gehirn ist dein Freund, nie dein Feind. Es hat die Hauptaufgabe dich in Balance und am Leben zu erhalten, dafür zu sorgen, dass es immer weitergeht. Und gibt es Systeme und Strukturen, die darauf programmiert sind einzugreifen, sobald etwas dieses Überleben gefährdet. Das Gefühl der Überforderung ist also eine biologische Stressreaktion.
Wenn dein Gehirn eine Situation in seiner Steuerzentrale (Präfrontaler Kortex) und Alarmzentrum (Amygdala) als “zu viel” bewertet, schaltet es automatisch erstmal in den Alarmmodus und aktiviert das Stresssystem. Dadurch bereitet sich dein Körper nicht auf “logisches Denken” vor, sondern nur auf “überleben” vor. Dein Gehirn wird chemisch überflutet mit Stresshormonen, die dafür sorgen, dass dein Körper sich für das vor ihm liegende Gefahrenszenario optimal bereit macht. Die Muskeln werden aktiviert, der Puls erhöht und die Aufmerksamkeit auf das Wichtigste verengt. Durch diese Überflutung verliert deine Steuerzentrale im Hirn ganz einfach seine Fähigkeit klar zu arbeiten.
Und das kann sich dann genau so anfühlen:
- Gedankenchaos oder Blockaden
- Impulsive Reaktionen und Gefühlsausbrüche, schnelle Gereiztheit
- Vergesslichkeit und die Unfähigkeit Prioritäten zu setzen
Also genau das, was wir dann im Nachgang als Schwäche oder persönliche Unfähigkeit betrachten, ist auch tatsächlich eine. Aber keine von dir und deinem Charakter! Es ist eine rein biologische Funktion, die dein Logisches Denken schwächt. Sie setzt genau die Hirnregion außer Gefecht, die du eigentlich gerade am dringendsten bräuchtest um die Kontrolle zu bewahren. Das heißt aber nicht, dass dein Gehirn kaputt ist. Diese natürliche Schutzreaktion, die im Körper ausgelöst wird, war den aller größten Teil der Menschheitsgeschichte genau so perfekt, wie sie ist. Die Gefahren und Stressfaktoren, denen unsere Vorfahren ausgesetzt waren, sind komplett andere, als unsere modernen Alltagssorgen.
Warum moderne Belastungen unser Gehirn überfordern
Das Gehirn ist gebaut um in diesen Situationen:
- kurze Stressphasen
- klare Bedrohungen
- einfache Entscheidungen
zu bewältigen.
Stattdessen ist aber heute ganz anderes von unserem Gehirn gefordert:
- Dauerhafte Reize und Input
- Ständige Auslastung und Multitasking und das alles mit wenig Pausen
- Hohe eigene und fremde Erwartungshaltung,viele soziale Vergleiche
Also alles in allem eine sehr hohe mentale Last. Und genau die überlastet das Gehirn, obwohl uns in vielen Momenten keine “echte Gefahr” droht.
Wir wissen eigentlich, dass wir nicht sterben werden, wenn wir das riesen Chaos in der Wohnung nicht sofort beseitigen, die Deadline verpassen, oder mal wieder irgendwo zu spät dran sind. Aber das Stressystem nicht. Es will für dich arbeiten und dich bereit halten und tut dabei dann genau das Gegenteil. Und was wir persönlich als Stress empfinden und was nicht, können wir uns auch nicht einfach aussuchen. Das macht der Körper für uns.
Also was kann man dann tun? Vielleicht hast du sowieso schon manchmal das Gefühl, dass sich alles gegen dich stellt. Und dann auch noch das eigene Gehirn?
Was du tun kannst, wenn dein Gehirn im Stress feststeckt
Ich denke, dass hier tatsächlich wieder einmal der erste und wichtigste Schritt ist, zu verstehen, was im eigenen Körper passiert. Und genau das habe ich versucht, dir in den letzten Minuten zu erklären.
Wenn du verstehst, was dein Stress in dir auslöst, kannst du dir auch Strategien überlegen, wie du die Reaktion des Gehirns wieder beruhigen kannst.
Dazu können zum Beispiel gehören:
- Dein Nervensystem beruhigen (z.B. durch Atmung oder Kältereiz)
- Reizreduktion (Geräusche, Bildschirme, etc.)
- Deinen Körper bewegen (z.B. kurz ausschütteln oder dehnen)
- Soziale Verbindung (z.B. Umarmung oder kurze Nachricht)
- Selbstmitgefühl statt Selbstkritik (“Es ist okay!”)
- Eine Pause einlegen (z.B. Augen schließen, Wasser trinken, frische Luft)
- Die Kontrolle zurückholen (Mini-Schritte als Anfang)
Erst wenn du dich und dein Nervensystem wieder in den normalen Ruhemodus zurück gebracht hast, kann auch dein Gehirn wieder online gehen und weiter so arbeiten, wie du es brauchst.
Mich fasziniert es immer wieder, wie es uns im Alltag helfen kann, unser Gehirn richtig zu verstehen und was es bewirken kann, wenn wir ihm mehr Liebe und Aufmerksamkeit entgegenbringen. Wenn dich das auch interessiert, dann bleib gerne dabei und abonniere meinen Newsletter. Ich freue mich sehr darauf, noch mehr von dem zu teilen, was ich über das Gehirn lerne.




